Vom Arzt zum Keramiker
07. Januar 2009 Schweriner Volkszeitung ( von Hans-Jürgen Kowalzik )



Dr. Steffen Werner in Huckstorf erfüllte sich einen Traum. Seit anderthalb Jahren ist er als Keramiker in der Handwerksrolle eingetragen. Das Besondere da ran: Er gab für sein Hobby seinen Beruf als Arzt auf.

HUCKSTORF - Das Haus in der Dorfstraße 20 a in Huckstorf fällt auf. Soll es auch. Unter einem Holzgestell stehen zwei Vitrinen mit Töpferwaren. Wenige Meter daneben weisen Steine und ein großer Ast mit Krügen, Kannen und Schalen ebenfalls darauf hin, wer in dem Haus wirkt: der Keramiker Steffen Werner. Seit anderthalb Jahren betreibt er das Keramikstudio, ist seitdem als Keramiker in der Handwerkerrolle eingetragen. Geschafft hat es der 38-Jährige als Autodidakt, und er erfüllte sich damit einen Traum. Allerdings quälte er sich mit der Entscheidung herum. Denn: Steffen Werner gab seinen Arztberuf auf.
Drei Minuten dreht Steffen Werner an solch einem Krug.
Verwendet wird Steinzeugton.
Steffen Werner vor einem seiner beiden Holzbrandöfen

Werner: "Ich studierte wacker sieben Jahre." Er lernte mit
Begeisterung, und ihm gelang an der Uni Rostock eine gute Promotion, Thema "Der Fet als Transplantat", volkstümlicher "Warum wird das Kind nicht von der Mutter abgestoßen?". Von 1998 bis 2007 arbeitete der Facharzt für Innere Medizin im Südstadt-Klinikum Rostock. Werner: "Nicht mit halbem Herzen, sondern mit 120 Prozent, sonst ist man als Arzt schlecht." Den Stress baute er an seiner Töpferscheibe ab. Aber der wurde nicht weniger. Werner: "Nicht, dass ich unzufrieden war.
Nein, dazu ist der Arztberuf viel zu schön." Aber er merkte, dass er die "Batterie an der Töpferscheibe nicht mehr richtig nachladen" konnte. "Ich fragte mich aber auch, wie gut bin ich noch als Vater meiner zwei Söhne und als Partner meiner Frau Ulrike?", erinnert er sich an die Zeit, als der Gedanke
reifte, das Hobby zum Beruf zu machen.

Zwei Jahre brauchte die Familie für die Entscheidung. Letztlich fiel sie für die Töpferei, weil er damit sein "kreatives Ventil" fand. Und, auch "wenn es abgedroschen klingt", wie er betont, "kann ich jetzt so arbeiten und leben, wie ich es bestimme". Diese Freiheit genießt er, auch wenn er jetzt mehr Stunden arbeitet als vorher. Werner: "Aber das empfinde ich nicht so, weil es mich an die Töpferscheibe zieht." Werner könnte tagelang an der Drehscheibe sitzen.
Keramik aus Huckstorf
Steffen Werner
Deshalb ist er auch eher "der Former" als der Gestalter seiner Arbeiten, die vor allem Gebrauchskeramik sind.
Er fertigt Schüsseln, Teller, Krüge und Vasen, aber auch mal ein Waschbecken, reduziert auf "strenge, klare, etwas moderne und geometrische Formen". Aber er probiert sich auch aus. Gerade hat Werner im Internet den Spaß am Formen großer Vasen entdeckt. Dahinter verbirgt sich der Ehrgeiz, sein Handwerk immer weiter zu entwickeln. Dazu wälzt er Bücher und belegt Kurse.
Dabei kommt heraus, dass er einer der wenigen Keramiker ist, die Geschirr für die japanische Teezeremonie herstellen.
Stolz ist er auf seine Holzbrandöfen, durch die seine Arbeiten eine besondere Oberfläche erhalten.
Aber eine aufwändige Brennart, denn der Ofen frisst in neun bis zehn Stunden einen Kubikmeter
Holz, das Werner im Wald schlägt.

Seine Arbeiten vermarktet er zu 40% auf Märkten, zu Hause und in Ausstellungen in Praxen ehemaliger Kollegen. Wobei ehemalig nicht ganz stimmt.

Werner: "Einen Tag in der Woche arbeite ich auf Honorarbasis in der Warnow-Klinik Bützow."