Das Gefäß
Es heißt ja, dass es zwei Arten von Töpfern gibt, die „ Dreher“ und die „Glasierer“. Ich gehöre eindeutig zu den Ersteren: immer auf der Suche nach der perfekten Form. Je mehr ich versuche, die Form auf das Wesentliche zu reduzieren, umso eher entscheiden Winzigkeiten im Verlauf einer Gefäßkurve, ob der Schwung nun perfekt ist oder eben nicht. Wenn das gelingt, dann halte ich mich mit der weiteren Oberflächengestaltung durch Glasur und Dekor am liebsten zurück. Gerade unkonventionelle, teilweise nahezu technische Formen reizen mich. Ein Henkel muss nicht immer „aus dem Gefäß herauswachsen wie ein Ast aus einem Baum“ und eine Tülle darf auch mal aussehen wie ein abgeflextes Rohr. Wichtig sind am Ende natürlich auch die funktionellen Aspekte. Die allermeisten meiner Teekannen liegen schön in der Hand (Schwerpunkt!) und gießen absolut tropffrei. So manche „eherne Töpferregel“ habe ich schon verletzt. Vielleicht führt ja das bedingungslose Befolgen all dieser Regeln auch nur zu austauschbaren Kannen, Krügen und Tassen?
Der Ofen
Der winzige elektrische Ofen aus zweiter Hand war bald zu klein, und da ich das Geld für einen Großen nicht aufbringen konnte habe ich mir dann einen Holzbrandofen gebaut. Mein ganzer Stolz. Der brennt in 6- 7 h locker auf 1250°C. Inzwischen ist noch ein zweiter Holzbrandofen dazugekommen, genauso gut wie der Erste. Dieser ist inzwischen mein Salzbrandofen. Beide Öfen haben etwa 600-700l Inhalt, zwei Feuerungen und sind unterzügig.
Seit ich diese Öfen habe brenne ich nahezu ausschließlich Steinzeug. Pro Brand wird etwa ein 1 Raummeter Holz verheizt. Ich bin ständig auf der Jagd nach Holz und auf meinem Hof liegen inzwischen mehr als dreißig Raummeter fein gespalten und hübsch gestapelt ( siehe Foto). Zuerst war es nur Buche , aber inzwischen ist mir auch jedes andere Holz recht. Die Holzpreise machen mir langsam zu schaffen. Vielleicht ist der Elektroofen irgendwann doch billiger, zumal der Aufwand mit aus dem Wald sägen, hacken und feuern gewaltig ist und die Lärmbelästigung für die armen Nachbarn manchmal wohl auch.
Und trotzdem ist der Brand nach den Wochen mit Drehen, Glasieren, Einbauen und Zumauern des Ofens immer wieder ein echter Höhepunkt. Wenn mein Öfchen richtig auf Touren gekommen ist und ich durch das Schauloch meine Pötte in der wabernden Weißglut stehen sehe hüpft das Herz. Dann schleicht man 72h um den abkühlenden Ofen. Der Moment des „Aufmachens“ ist wie Weihnachten und Geburtstag auf einmal. Stück für Stück werden etwa 40 -60 Keramiken nacheinander aus dem noch heißen Ofen geholt. Manches ist verzogen oder gesprungen oder einfach enttäuschend, aber immer wieder ist auch etwas dabei, das einem, warm und glatt in der Hand, im ersten Moment wie pure Magie vorkommt.
Ich bin inzwischen 42 Jahre alt und seit ca 5 Jahren ( Stand 08/14) hauptgewerblich Keramiker. Bis die Töpferei mich ganz in ihren Bann geschlagen hat, habe ich einige größere Umwege gemacht. Nach Abitur und Studium habe ich 10 Jahre als Arzt in der Klinik gearbeitet bis ich dann als promovierter Facharzt für Innere Medizin auf die hahnebüchene Idee kam, mein Geld nur noch mit Keramik verdienen zu wollen. Nun ja, es hat mich halt gepackt und ich kann nur hoffen, dass es mir auch in 10 Jahren noch so viel Spaß macht an der Töpferscheibe zu sitzen.
Wie schon erwähnt hatte ich keinen Lehrmeister außer natürlich einer großen Menge Bücher über das Drehen, Glasieren, den Ofenbau . Aufmerksam gelesen ( zum Teil bis zu fünf mal ) sind die nicht zu unterschätzen. Ein Drehkurs bei einem wirklich guten Großdreher hat mir allerdings noch mal eine Menge Impulse und technische Verbesserungen gebracht. Nicht nur die künstlerische Komponente, sondern vor allem der handwerkliche Teil haben immer meinen Ergeiz geweckt. Ich hoffe man sieht es den Stücken an und wünsche viel Spaß beim Stöbern in meiner virtuellen Galerie.
Der Töpfer
Siehe auch "Presse"
Keramik aus Huckstorf
Steffen Werner
Vor vielen Jahren hab ich mir eine fußbetriebene Töpferscheibe selbst gebaut, Ton ausgebuddelt, aufgeschlämmt, geschlagen und verdreht.
Seit über 10 Jahren hab ich nun eine ordentliche elektrische Scheibe und das Drehen geht mir inzwischen gut von der Hand. Gerade als Autodidakt entwickele ich bezüglich Größe, Höhe und Weite durchaus meinen Ehrgeiz. Zurzeit drehe ich Röhren von über 40 cm bzw. über 1m Höhe (dann zusammengesetzt) und zentriere wenn nötig über 10 kg Ton für Waschbecken und Schalen von bis zu 65 cm Durchmesser. Damit ist mein Hunger nach Größe aber noch lange nicht gestillt.

Gelernt habe ich bisher alles aus Büchern und nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Ein alter Dreh-Profi könnte mir sicher noch eine Menge wertvolle Tipps und Tricks vermitteln.
Glasiert wird durch Tauchen, Gießen und oft auch mit der Spritzpistole. Neben gekauften Fertigglasuren (An diesem wunderschönen Rot zum Beispiel konnte ich einfach nicht vorbei. Seht es euch in der Galerie selbst an!) kommen inzwischen auch eigene Glasuren zum Einsatz.


Die meisten entstehen auf der Basis von Asche und Lehm und sind mit Kupfer-, Mangan-,Kobalt- und Eisenoxiden gefärbt. Dabei zeigen sich Braun- und Grüntöne, unter anderem ein ganz brauchbares „Seladon“ und eine Temmoku-ähnliche Glasur entstehen. Mein neuestes Baby ist der Salzbrand und das Experimentieren mit verschiedenen Engoben und Techniken bezüglich des Einbringens von Soda in die Ofenglut.